Box-Options Teil 2: Effektiv, vielseitig, intransparent? CFD-Handel in der mittelfristigen Perspektive: Mit wenig Aufwand zum Gewinn
Jan 27

Handelssystematiken, die mit regelbasierter Signalgenerierung Gewinne zu erzielen versuchen, sind aus der modernen Trading-Landschaft nicht mehr wegzudenken. Eine schier unüberschaubare Anzahl bestehender Systematiken steht Anleger zu gar keinen oder nur sehr geringen Kosten zur Verfügung. Nicht selten versprechen die Systeme außergewöhnlich hohe Renditen. Die Anbieter der Systeme bzw. Fachzeitschriften, die über sie berichten, berufen sich bei ihren Aussagen über die Qualität einer Handelssystematik in der Regel auf historische Backtests: Das System wird dabei rückwirkend auf einen oder mehrere Märkte angewandt. Anleger sollten bei der Auswahl eines Systems Vorsicht wallten und sich keinesfalls von hohen Rendite-Ergebnissen einzelner Ansätze blenden lassen. Mit Backtests verhält es sich ähnlich wie mit Statistiken, die in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dazu dienen, andere von der eigenen Sache zu überzeugen. So aufrecht und integer die „eigene Sache“ dabei auch sein mag: Viele statistische Betrachtungen (von Handelssystemen genauso wie von anderen Beobachtungsgegenständen) sind schlicht und ergreifend nicht valide genug, um eine Hilfe oder gar eine Basis für Handlungsentscheidungen darstellen zu können.

Ein besonders krasses Beispiel findet sich in einem Artikel des bekannten US-amerikanischen Tradingbuch-Autors Jack Schwager, der in dem unter anderem ins Deutsche übersetzten Werk „Die ganze Welt der technischen Analyse“ von Darrel R. Jobman abgedruckt ist. Schwager berichtet darin von einem Bericht über ein Handelssystem, das auf den ersten Blick der „eierlegenden Wollmilchsau“ in Nicht nachzustehen schien: Fast 300 Prozent Gewinn sollte der Ansatz in einem Jahr einbringen. Die Systematik war dabei ungemein einfach und konnte von jedem, der sich zumindest mit den elementarsten Inhalten der Technischen Analyse auseinandergesetzt hat, leicht nachvollzogen werden. Zwei Regeln stellten - vereinfacht dargestellt – den ganzen Ansatz dar. Regel 1: Steigt der 6-Tage-Durchschnitt über den Kurs, sind Long-Positionen zu eröffnen und Short-Positionen zu schließen. Regel 2: Fällt der 6-Tage-Durchschnitt unter den Kurs, sind Short-Positionen zu eröffnen und Long-Positionen zu schließen.

Es muss nicht weiter gesagt werden, dass sich ein solches System zwangsläufig als Flop erweisen muss – wer mit der Materie vertraut ist, hat daran keinen Zweifel. Beachtenswert ist jedoch, dass durch eine nicht valide Datenbasis die Leistungsfähigkeit des Systems in der statistischen Auswertung dramatisch überschätzt wurde. Es lohnt sich deshalb, einen Blick auf die Schwächen zu werfen, die zu dem 300-Prozent-Ergebnis geführt haben und gleichzeitig aufzuzeigen, wie die gemessene Performance bei einer angemessenen Erhebung ausgefallen wäre.

Das Performance-Resultat bezog sich in dem von Schwager erwähnten Artikel auf die Anwendung des Systems auf den Schweizer Franken im Jahre 1980 und war in der Tat korrekt. Schwager selbst erweitert in seinem Artikel nun den Untersuchungszeitraum auf sieben Jahre und beobachtete die Anwendung des Systems auf den Schweizer Franken in den Jahren 1976 bis 1983. Das Resultat fiel dramatisch schlechter aus als in der ursprünglichen Betrachtung. Der Gewinn in dieser Periode belief sich in allen Jahren mit Ausnahme von 1980 auf durchschnittlich acht Prozent im Jahr – gegenüber fast 300 Prozent in der Ausgangsbetrachtung also ein gewaltiger Einbruch. Es ist somit zu vermuten, dass das Jahr 1980 einen Sonderfall darstellt und das gute Ergebnis auf Zufall beruht. Schwager hat den Ansatz in einer weiteren Untersuchung im Hinblick auf seine Performance bei Anwendung in den Jahren 1976 bis 1983 in 25 verschiedenen Märkten weitergehend untersucht. In 13 dieser Märkte produzierte das System Verluste, die in fünf Märkten sogar außergewöhnlich groß ausgefallen wären. In den Märkten, in denen positive Ergebnisse erzielt wurden, lagen diese deutlich unter denen, die mit anderen Trendfolgesystemen erzielbar gewesen wären.

Schwager sieht eine Ursache für die schlechte Qualität der Handelssignale in der „systemimmanenten Empfindlichkeit“ des Ansatzes, die zu einer großen Anzahl Trades und damit hohen Gebühren führt. Das beschriebene System ist in der Tat sehr sensitiv und gerade in Seitwärtsphasen anfällig für Perioden ständiger Umschichtungen.

Was dieser Beitrag verdeutlichen soll, ist das Folgende: Ein Handelssystem darf keinesfalls anhand nicht valider Daten bewertet werden. Es bedarf zum einen eines längeren Beobachtungszeitraumes und zum anderen möglichst vieler plausibler Betrachtungsgegenstände (Märkte) mit wiederum möglichst vielfältigen Ausprägungen (Trendphasen). Nur wenn die Datenbasis groß ist und die Performance-Messung über ein ausreichendes Zeitfenster hinweg durchgeführt wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die gemessene Rendite, die mit einem Handelsansatz erzielt werden kann, gering genug, um der Systematik trauen zu können.

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