Box-Options Teil 1: – Digitale Optionen per Drag and Drop Handelssysteme: Performance kritisch überprüfen
Dez 08

Box-Options ermöglichen privaten Investoren, komplexe Finanzinstrumente zu unterschiedlichsten Zwecken zu nutzen, ohne dabei tiefergehendes Verständnis der Finanztheorie abzuverlangen. Oanda, einer der führenden Anbieter und Schöpfer der Produkte, bietet Box-Options für den Forex-Markt an. Die Optionen verstehen sich nicht als solche im klassischen Sinne. Die vom Anleger in den Chart gezeichnete Box stellt eine individuelle Vereinbarung zwischen Trader und Oanda dar. Weder sind die Optionen standardisiert noch sind sie handelbar. Eine vorzeitige Rückgabe ist allerdings möglich – zu den dann individuell von der Plattform zur Verfügung gestellten Preisen.

Die Einsatzmöglichkeiten von Box-Options erstrecken sich über ein breites Spektrum. Die simple Spekulation auf zukünftige Wechselkursbewegung ist dabei die trivialste Anwendung. Der Vorteil gegenüber einem Direktinvestment in ein Währungspaar liegt hier zum einen in dem Umstand, dass der maximale Verlust, den Anleger durch den Handel mit Box-Options erleiden können, auf den Einsatz beschränkt ist. Beim Handel mit Devisen kann sich der Schaden im Falle einer nicht wie gewünscht verlaufenden Kursentwicklung –aufgrund der großen Hebelwirkung – auf ein Vielfaches des eingesetzten Kapitals belaufen, so dass ohne Stopp-Loss-Strategie die Teilnahme am Forex-Markt nicht möglich ist. Strategien für Trader, die mit Box-Options arbeiten möchten, lassen sich leicht aus anderen Handelsansätzen ableiten.

Widerstände und Unterstützungen können als charttechnische Hilfestallung bei der Platzierung der Optionen sein. Geht ein Investor davon aus, dass ein Markt einen bestimmten Kurswiderstand nicht überwinden kann, platziert er oberhalb des betreffenden Kursniveaus eine entsprechende Box und deklariert diese als „Miss-Box“. Prallt der Markt tatsächlich ab und kann die Kursmarke bis zum Verfall der Option nicht mehr überschreiten, wird der Payoff-Betrag der Box ausgezahlt. Die flexible Gestaltung der Boxen erlaubt dabei die Umsetzung auch detaillierter Vorstellungen. Besonders im Intraday-Handel lässt sich immer wieder beobachten, dass Märkte im Widerstands- und Unterstützungszonen fast immer zumindest eine „Verschnaufpause“ einlegen. Anleger können sich diese Erkenntnis zu Nutze machen, indem sie entsprechend kurzlaufende Boxen in den Kurszonen platzieren. Die Ausrichtung der Box kann dabei auch im Kontrast zu anderen Positionen stehen. So kann ein Investor von einem steigenden Euro-Kurs gegenüber dem Dollar ausgehen, gleichzeitig aber eine gegenteilige Box platzieren, die einen kurzen Zeithorizont abdeckt.

Fibonacci-Retracements können ebenfalls zum Einsatz in Kombination mit Box-Options geeignet sein und Überkauft/Überverkauft-Indikatoren stellen eine weitere Alternative dar. Derzeit existieren keine vorgefertigten Handelssysteme für das Trading mit Bos-Options. Oanda stellt –wie die meisten anderen Handelsplattformen auch – kostenlose Demo-Accounts zur Verfügung, mit denen der Handel ohne Risiko getestet werden kann. „Learning by Doing“ lautet die Devise im Fall der noch sehr jungen Produkte. Es gilt, Analyseansätze zu finden, die der Natur von Box-Options gerecht werden und eine hohe Trefferquote generieren.

Die Restriktionen, die die Ausgestaltung der Box-Options einschränken, fallen bei Oanda sehr gering aus und ermöglichen so individuelle Positionen. Oanda verlangt, dass die Box mindestens 5 Minuten breit sein muss und außerdem einen Kursbereich von nicht weniger als 10 Pips abdeckt. Die Vorlaufzeit muss mindestens 15 Minuten betragen, das Ende der Box darf nicht mehr als sieben Wochen in der Zukunft liegen. Investments sind ab 1$ pro Box möglich und auf 2000$ je Box limitiert, wobei die Gesamtsumme, die in Trader in offenen Boxen investiert hat, nicht mehr als 20.000 Dollar betragen darf.

Ob sich mit Box-Options viel Geld verdienen lässt, sei aus Sicht des Anlegers dahingestellt. Die Plattform dürfte allerdings ihren Profit aus dem Handel ziehen. Box-Options sind sehr schwer zu bewerten und die Angebots-Nachfrage-Struktur macht signifikante Aufschläge auf den „Fair Value“ wahrscheinlich. So war bei mehreren Anbietern in der Vergangenheit bereits zu beobachten, dass im Vorfeld wichtiger Meldungen die Payoff-Raten der Boxen deutlich gesunken sind. Die Market Maker antizipierten damit den Versuch vieler Kunden, durch News-Trading mit Box-Optionen an schnellen Kursausschlägen zu partizipieren.

Einen Nutzen haben die Optionen allerdings garantiert: Trader, die versuchsweise Boxen im Markt platzieren (beispielsweise im Demo-Account) können ihre Markteinschätzung einer relativ neutralen Supervision unterziehen: Mitunter weichen die Payoff-Niveaus der Boxen deutlich von der „gefühlten“ Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Kursereignisses ab, was nachdenklich stimmen sollte.

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